Rückblick: Molotovcocktails & Theorie

caipi_theorie_smallAm gestrigen Samstag fand unser Workshoptag in Freiburg statt. Insgesamt waren Leute aus fünf verschiedenen Basisgruppen der Linksjugend [‘solid] Ba-Wü in Freiburg, um sich bei 6 spannenden Workshops weiterzubilden.

Mit viel Motivation sind wir in den Tag gestartet, der mit einem Vortrag über technischen und gesellschaftlichen Aspekten des digitalen Zeitalters und einer radikalen und progressiven Stellungnahme dazu begann. Dabei wurde über Netzstruktur, Freiheit im Netz und Kontrolle und Überwachung (von Staaten sowie Konzernen) informiert und diskutiert, sowie verschiedene technische Ansätze für verschlüsselte Kommunikation und Anonymität im Netz vorgestellt.
Darauf folgte ein Workshop zur Schulze-Methode für Wahlverfahren. Schwerpunkt bildete hier die Überlegung, wie Ergebnisse von Wahlen und Abstimmungen an eine Konsensmeinung angenähert werden können, ohne in das Dilema von Blockaden (welches bei Konsensentscheidungen schnell auftritt) zu kommen. Sowohl die Theorie hinter der Methode, wie auch Anwendungsmöglichkeiten für unseren Jugendverband, sowie innerhalb der Linkspartei wurden ausführlich diskutiert. Danach ging es erst mal in eine wohlverdiente Pause.

Bei leckerem Mittagessen stellte uns dann eine Referentin vom ¡Ya Basta!-Netzwerk das Freihandelsabkommen NAFTA vor. Exemplarisch an diesem in den 90er Jahren umgesetzten Freihandelsabkommen zwischen Kanada, der USA und Mexiko wurden die desaströsen Folgen von investor-to-state Klagen, Freihandelszonen und Beschränkungen von Sozial- wie Arbeitsgesetzgebung auf die Gesellschaft dargestellt. Wie bei geplanten Freihandelsabkommen (TTIP, CETA, TiSA, etc.) wurde offensichtlich, wie Arbeitsplätze vernichtet werden und die lokale Bevölkerung sowohl verarmt als auch entrechtet wird.

Auf dieses historische Beispiel folgte eine längere Auseinandersetzung mit den geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und der USA sowie mit Kanada. Im wesentlichen ging es dabei darum, das Freihandelsabkommen nicht ein ansonsten “gut” funktionierenden Kapitalismus zu etwas schlechtem machen. Sie sind eine logische Weiterentwicklung im globalisiertem Kapitalismus sind. Insbesondere Mitbestimmungsmöglichkeiten von Bürger*innen, Kommunen und Länderparlamenten werden dabei in allen Bereichen (Politik und auch Wirtschaft) beschnitten und teilweise ganz vernichtet. Fazit der Diskussion ist, dass durch Freihandelsabkommen die bürgerliche Demokratie in den Dienst von multinationalen Konzernen gestellt wird. Dies bedeutet, das die Demokratie zugunsten von unkontrolliertem Kapitalismus aufgegeben wird.

Nach diesen vier inhaltsreichen Workshops begaben wir uns in eine längere Kaffee & Kuchenpause, bevor wir mit dem, wahrscheinlich theorielastigsten, Workshop zur materialistischen Religionskritik weiter machten. Anhand von Originaltexten arbeiteten wir uns mit der Analyse von Karl Marx durch Feuerbachs Religionskritik. Insbesonders seine Schlussfolgerungen, welche uns zum historischen Materialismus führten, wurden diskutiert. Besonders spannend: den Kommunismus selber mit dieser Theorie zu analysieren!

Den Abschluss, bei einem ausgiebigen Abendessen, bildete der Workshop zu Drogen, Krieg und Revolution. Mit viel Begeisterung stürzten wir uns in die Thematik von Drogen (von Kakao bis Crack), Drogenhandel, Drogenkonsum und Auswirkungen von Krisen (Kriege und Revolutionen) auf die Drogenökonomie. Kritisch diskutiert haben wir sowohl die Waffenfinanzierung durch Drogen, die Entpolitisierung von Guerillabewegungen, die sich über Drogenhandel finanzieren, als auch die Stabilität von Schmuggelrouten in Krisenzeiten (Beispielhaft hierfür war der Gebrauch von etablierten Routen für den Ölverkauf vom IS).

Der Tag fand dann sein Ausklang über ein paar Cocktails (Caipi!), etwas Bier und vielen Gesprächen. Besonders hartnäckig hielten sich noch ein paar wenige, welche bis um sechs in der früh noch über die Ökonomie der Eurokrise, Faschismus und (mit besonderen Blick auf die “Hooligans gegen Salafisten”) wie man antifachistische Arbeit stärken kann, Besonderheiten der bayerischen Grammatik und viele andere Themen diskutierten.

Alles in allem ein rundum gelungener Workshoptag (und nacht…). Von uns ein großes Dankeschön an alle, die da waren!

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