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Einschätzungen zu den sog. Hygienedemos am 16. Mai in Offenburg

Es gab zwei verschiedene Demonstrationen mit teilweise sehr unterschiedlichem Klientel, auch wenn es ein paar Überschneidungen gab.
Auf der ersten Kundgebung am Marktplatz, angemeldet von Marco Kurz, dominierten ganz klar die Rechten, es zeigten sich offen Rechtsradikale, auch Mitglieder der Identitären Bewegung. Die Anreise schien weit über den Ortenaukreis hinauszugehen. Insgesamt waren um die 60 Personen anwesend. Außen herum beobachteten Passanten das Geschehen, schienen aber wenig überzeugt von Kurz Rede, gingen wieder weiter oder bekundeten ihren ihre Ablehnung gegenüber der inhaltsleeren ” rechten Hetze “.
Die Kundgebung am Platz der Verfassungsfreunde war breiter Aufgestellt. Es wurden zwar vereinzelt Personen gesichtet, welche schon zuvor auf der Kurz Kundgebung anwesend waren, die Mehrheit der Teilnehmer schien jedoch über das Corona-Thema hinaus wenig mit Kurz gemeinsam zu haben. Es traf sich eine wirre Mischung aus Impfgegnern, Verschwörungstheoretikern, Walddorfeltern und Hippies. Auch die Homöopathieszene war stark vertreten.

Inhaltlich orientierte sich Kurz wie in seinem Milieu üblich sehr stark an der Opferrolle. Außer der Forderung nach sofortiger Rücknahme der Maßnahmen, dem bekannten Rumgeheule über die gemeine Berichterstattung der sogenannten Lügenpresse und viel Mimimi, waren die Reden relativ inhaltslos und bestanden hauptsächlich aus Phrasengedresche. Konstruktive Beiträge oder Verbesserungsvorschläge fehlten, obwohl er sich und seine Vorstellungen als überlegen und Allheilmittel inszenieren wollte, vollkommen.
Interessanter, wenn auch nicht weniger wirr, war die Kundgebung am Platz der Verfassungsfreunde. Mehrmals wurde das ökofaschistische Narrativ aufgegriffen, der Virus würde die Menschheit heilen. Ein Redner behauptete sogar, die Ortenau hätte überhaupt keine Coronafälle und die Zahl der Erkrankten käme bloß durch fehlerhafte Tests zustande. Auch nicht fehlen durfte natürlich die große Gates Verschwörung. Viele der Anwesenden trugen Schilder mit der Aufschrift „Gib Gates keine Chance“. Auf der Kundgebung wurden vom Veranstalter Flugblätter verteilt, auf denen unter anderem gefordert wird, dass niemand gechippt wird und dass es keine Zwangsimpfung geben soll. Gefordert wurde auch, anstatt der Pharmaindustrie Geld in den Rachen zu schieben, in der Coronakrise vermehrt auf homöopathische Mittel zu setzen. Der Mund-Nasen-Schutz wurde als unnötig und gesundheitsschädigend deklariert und es wurde die Forderung laut, dass nur noch Risiko Gruppen den Mundschutz tragen sollen.
Interessant war hier auch, dass die stark überwiegende Mehrheit der Anwesenden angab vorher in keinsterweise politisch aktiv oder engagiert gewesen zu sein. Vereint wurden sie allein durch das Bedürfnis nach politischer Beachtung ihrer Ängste und der Sehnsucht nach Stabilität und einer einfachen Lösung in diesen schwierigen Zeiten.

[Offenburg] Bericht zum kämpferischen 1. Mai 2014 in Offenburg!

Am 1. Mai 2014 gingen trotz teilweise strömendem Regen ca. 300 Menschen in Offenburg im Rahmen der alljährlichen 1. Mai Demonstration des DGB auf die Straße. Zwischen 50 und 70 Menschen aus unterschiedlichen Spektren waren dort, um gemeinsam am traditionellen internationalen Kampftag der Arbeiterinnen und Arbeiter gegen Sozial- und Demokratieabbau, prekäre Beschäftigung und schließlich für eine fortschrittliche Perspektive jenseits des Kapitalismus zu demonstrieren.

Kurz vor Beginn der Demonstration wurde eine gemeinsame Rede des Sozialen Zentrums Caracol aus Bühl und der Linksjugend [‘solid] Ortenau verlesen, die wir weiter unten dokumentieren.

Darüber hinaus wurden viele klassenkämpferischen Zeitungen und Flugblätter zum 1. Mai verteilt und auf der Demonstration selbst war der antikapitalistische Block der einzige, der lautstark mit Sprechchören, Liedern und Parolen auf tagespolitische und allgemeine Forderungen und Positionen aufmerksam machte.

Da die Demo-Route sehr kurz ist (vom Fischmarkt zur Reithalle) und sich die meisten auch nicht durch das inhalts- und aussagslose Motto des Frontbanners „Gute Arbeit – Soziales Europa“ am 1. Mai repräsentiert sahen, entschlossen sich ca. 50 Leute kurzerhand noch eine Spontandemonstration durch Offenburg zu starten. Der Weg führte bei gießendem Regen an der Arbeitsagentur vorbei durch die Innenstadt, am Rathaus und dem Polizeirevier vorbei und wieder zurück zum Fest des DGB. Die Stimmung der Anwesenden kam durch verschiedene Parolen zum Ausdruck, aber insbesondere durch das Fronttransparent mit dem Titel „Für eine revolutionäre Perspektive jenseits von Krise, Krieg und Kapitalismus“.

Interessanterweise waren weder bei der Demonstration noch der anschließenden Spontandemonstration Polizeibeamte anwesend und damit stand einem selbstbestimmten Ausdruck am 1. Mai nichts im Wege.

Weiterer Bericht aus Offenburg: https://linksunten.indymedia.org/de/node/112387

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