{"id":69,"date":"2015-03-04T14:21:38","date_gmt":"2015-03-04T14:21:38","guid":{"rendered":"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/?page_id=69"},"modified":"2015-03-04T15:41:03","modified_gmt":"2015-03-04T15:41:03","slug":"digitale_utopie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/publikationen\/digitale_utopie\/","title":{"rendered":"Digitale Utopie"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Warum nicht Netzpolitik?<\/strong><\/h3>\n<p>Vielerorts wird \u00fcber die sogenannte \u201cNetzpolitik\u201d debattiert, was das genau ist wei\u00df aber eigentlich keiner. Generell wird angenommen es handele sich um Politik \u00fcber das Internet. F\u00fcr uns gibt es zwei Gr\u00fcnde uns einen anderen Begriff zu suchen:<\/p>\n<ol>\n<li>Ein gesellschaftlicher Rahmen muss f\u00fcr die gesamte digitale Technik her, wir wollen sowohl die Herstellung von Hard- und Software, wie auch die Vernetzung dieser (unabh\u00e4ngig ob im world wide web oder in lokalen Netzwerken) diskutieren, weil wir den technologischen Fortschritt als Ganzes betrachten m\u00fcssen, um politische Schlussfolgerungen ziehen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Statt einfach nur ein weiteres Politikfeld aufzumachen, welches der \u00f6den Analyse und Probleml\u00f6sung gewidmet ist (wie so viele andere Politikfelder), wollen wir uns aktiv an der Ausgestaltung einer besseren Zukunft beteiligen. Als der Zukunft zugewandte Menschen machen wir uns dabei am besten gleich eine Utopie, welche wir ausarbeiten, anstreben und an neue Entwicklungen anpassen wollen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Somit machen wir es uns relativ einfach und sprechen einfach von unserer digitalen Utopie. Dass diese nat\u00fcrlich kein starres Konstrukt ist, sehen wir als gegeben. Stattdessen \u00fcberlegen wir uns lieber generelle Leitlinien, an denen unser Handeln und unsere politische Zielsetzung gegen\u00fcber moderner Technologie ausgerichtet sein soll.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8220;These papers are not `finished&#8217;, and may never be. Publishing a theory should not be the end of one&#8217;s conversation with the universe, but the beginning.&#8221; &#8211; Eric Steven Raymond<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Freiheit und Sicherheit: Der \u00dcberwachungskomplex<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_\u00fcberwachung_version2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-83\" src=\"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_\u00fcberwachung_version2-1024x733.jpg\" alt=\"sticker_a7_\u00fcberwachung_version2\" width=\"500\" height=\"358\" srcset=\"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_\u00fcberwachung_version2-1024x733.jpg 1024w, https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_\u00fcberwachung_version2-300x215.jpg 300w, https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_\u00fcberwachung_version2.jpg 1288w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a>Terroranschl\u00e4ge, NSA, Edward Snowden, Geheimdienstskandale, das Versagen des Verfassungsschutz im NSU-Skandal: auch wenn es den Anschein hat, sind Freiheit und Sicherheit nicht erst seit dem 11. September 2001 zu einem Politikfeld geworden. Das Spannungsfeld zwischen der (individuellen und kollektiven) Freiheit von Menschen und dem Sicherheitsbed\u00fcrfnis eines Nationalstaates existiert schon seit der Entstehung des modernen Nationalstaates.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Paradigma des modernen Nationalstaates ist simpel: Der Staat legitimiert sich dadurch, das er die Sicherheit der B\u00fcrger*innen vor Eingriffen von Dritten garantieren kann. Die Freiheit der B\u00fcrger*innen wird dem entgegen h\u00e4ufig durch die Freiheit vor Eingriffen vom Staat aufgefasst. Die beiden Begriffe stehen in diesem Verst\u00e4ndnis nicht automatisch in Konkurrenz zueinander. W\u00e4hrend die Sicherheit vom Staat garantiert wird, bleibt es der Staatsform \u00fcberlassen, wie die Freiheit vor dem Staat garantiert werden kann. In diesem Spannungsfeld bewegen sich Debatten \u00fcber \u00dcberwachung, Geheimdienste und informationelle Selbstbestimmung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt allerdings in der globalisierten \u00d6konomie noch einen weiteren Akteur, der Interesse an Daten hat: die Unternehmen selbst. Konzerne wie Google, Microsoft, Apple, Facebook, etc. nutzen Daten \u00fcber ihre Nutzer*innen um damit Geld zu verdienen. Es liegt nicht nur in ihrem Interesse, dass die Daten bei ihnen liegen, sondern auch, das sie diese weiterverwenden k\u00f6nnen. Damit wird \u00fcber gezielte Werbung Profit gemacht, aber auch Nutzungsrechte (z.B. von Daten in den Cloud-Diensten) angeeignet und ganze Profile erstellt um die Dienste zu optimieren um mehr Profit (und damit Kapital f\u00fcr die Firma) zu gewinnen. Ganz &#8220;nebenbei&#8221; wird damit dann Kundenbindung betrieben und dem Konzern g\u00fcnstige Inhalte oder Meinungen platziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Debatte um Sicherheit und Freiheit muss sowohl die Nationalstaaten ber\u00fccksichtigen wie auch Unternehmen. Es liegt im Interesse beider Akteure die Kontrolle zu behalten und damit f\u00fcr sich Sicherheit zu schaffen, sowie gesellschaftliche Gestaltungsmacht auszu\u00fcben.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Sicherheit und Freiheit der Menschen<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr eine Gesellschaft, in der Menschen digitale Dienste frei benutzen k\u00f6nnen und diese Effektiv f\u00fcr kreatives Potenzial (egal ob dabei kulturell oder politische Kreativ) m\u00fcssen wir jedoch andersrum an die Sache herangehen: Wir m\u00fcssen die Sicherheit der Menschen vor Kontrolle und die Freiheit von \u00dcberwachung in der digitalen Welt garantieren.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"author-g-a73bfjk7tei1avl3\"><em>&#8220;Quanten haben dort Freiheit, wo man sie gerade nicht beobachtet&#8230; Genau so wie Menschen&#8221; &#8211; Tamino Hartmann<\/em><br \/>\n<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Menschen, die denken sie w\u00e4ren unter Beobachtung, verhalten sich automatisch konform zu den herrschenden Verh\u00e4ltnissen (Auch bekannt als Panopticon-Prinzip). Menschen, die aufgrund strenger (und dank \u00dcberwachung durchsetzbarer) Kontrolle, nur manche Daten erhalten oder nutzen d\u00fcrfen (bzw. k\u00f6nnen) entwickeln selber keine oder weniger neue Ideen und Konzepte. Dies passiert ganz automatisch, oft allein aus Angst etwas Falsch zu machen. Kurzgefasst: die \u00dcberwachung und Kontrolle durch Staaten und\/oder Unternehmen verhindert selbstbestimmtes Handeln und hemmt die freie Entwicklung der Menschen. \u00dcberwachung ist ein reaktion\u00e4res Instrument zur Verteidigung des bestehenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um unsere Sicherheit und Freiheit vor dieser Manipulation zu Sch\u00fctzen m\u00fcssen wir die Herangehensweise an digitale Technologien ver\u00e4ndern. Auf Unternehmen k\u00f6nnen wir uns hier nicht verlassen, viel zu oft basiert ihr Gesch\u00e4ftskonzept daraus unsere Freiheit einzuschr\u00e4nken. Den Weg \u00fcber staatliche Regelungen k\u00f6nnen wir unter momentanen Bedingungen realistisch betrachtet auch vergessen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201cWem Daten wichtig sind, der muss sie verschl\u00fcsseln und darf nicht auf den eigenen Nationalstaat hoffen.\u201d &#8211; Hans-Peter Uhl, CSU<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viel zu h\u00e4ufig bestimmen Lobbygruppen der Konzerne, wie die Gesetze aussehen sollen, oder es wirken noch Gesetze die zur Zeit von VHS, Walkman, Disketten und Schallplatten geschrieben wurden.<\/p>\n<p>Stattdessen m\u00fcssen wir Methoden finden, wie wir in Zusammenarbeit (statt Wettbewerb) L\u00f6sungen finden, um Technologie zu dezentralisieren und die Kontrolle wieder in die H\u00e4nde der Endnutzer*innen an ihren Ger\u00e4ten zur\u00fcckzugeben. Gleichzeitig muss gew\u00e4hrleistet werden, das jeder*m ein freier und unzensierter Zugriff zu digitalen Netzwerken (wie das Internet) erm\u00f6glicht wird, unabh\u00e4ngig von der sozialen Situation der Person.<\/p>\n<p>Viele Ans\u00e4tze in diese Richtung gibt es schon, ein paar davon, im wesentlichen die Free and Open Source Software Bewegung, wollen wir hier noch genauer angehen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Free and Open Source Software: Freiheit vor Konzenen, Sicherheit vor \u00dcberwachung<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_free_software_version2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-84\" src=\"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_free_software_version2-1024x733.jpg\" alt=\"sticker_a7_free_software_version2\" width=\"500\" height=\"358\" srcset=\"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_free_software_version2-1024x733.jpg 1024w, https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_free_software_version2-300x215.jpg 300w, https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_free_software_version2.jpg 1288w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a>Freie und Open Source Software (ab jetzt FOSS) ist fast g\u00e4nzlich nicht kommerziell. Das Grundprinzip ist ganz einfach: Eine Person schreibt eine Software die eine Funktion erf\u00fcllt, die er*sie braucht, ver\u00f6ffentlicht diese im Internet und jede*r kann diese nutzen, kopieren und modifizieren, ohne daf\u00fcr zu zahlen. Auf eine merkw\u00fcrdige Art und Wei\u00dfe ist FOSS eigentlich eine sehr egoistische Entwicklungsmethode: Einzelne Menschen arbeiten nur an dem, woran sie arbeiten wollen (oft in ihrer Freizeit), wie sie arbeiten wollen und wann sie arbeiten wollen. Eine Erh\u00f6hung der Anzahl an Nutzer*innen einer Software f\u00fchrt bei propriet\u00e4rer Software (sprich Software, die man nur gegen Geld kriegt und nicht kopieren oder modifizieren darf) zu einem direkten finanziellen Gewinn f\u00fcr die Firma. Bei FOSS ist das nicht der Fall: Es gibt keinen direkten Vorteil f\u00fcr ein*e FOSS Entwickler*in. Indirekte Vorteile, ja: Pers\u00f6nlicher Stolz, h\u00f6here Wahrscheinlichkeit auf Fehlerbehebung, h\u00f6here Wahrscheinlichkeit auf Hilfe bei der Entwicklung, und so weiter.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>&#8220;Think free as in free speech, not free beer.&#8221; &#8211; Richard Stallman<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gro\u00dfe Vorteil daran: dadurch, dass jede*r seine*ihre Software ver\u00f6ffentlicht, kann jede*r andere*r die Software kopieren, ver\u00e4ndern und verwenden. Herrk\u00f6mmliche Unternehmen (Microsoft, Apple, Ubisoft) versuchen ihre Programme nicht zug\u00e4nglich zu behalten, damit alle ihr Produkt kaufen m\u00fcssen (und dann kann man immer noch nicht selber an den Programmen rumwerkeln). Statt vielen Individuellen Programmen, die auf einzigartige Probleme zugeschnitten sind gibt es hier nur standardisierte Programme, die oft von den M\u00f6glichkeiten moderner Technologien nicht gebrauch machen. Beispielsweise ist Microsoft immer noch dabei, Funktionen bei sein Betriebssystem hinzuzuf\u00fcgen, die GNU\/Linux schon seit der Jahrtausendwende hat. Dabei beh\u00e4lt die Firma die absolute kontrolle \u00fcber das Programm und niemand wei\u00df genau, was dieses Programm alles tut. So gibt es bei Skype unerkl\u00e4rte Verbindungen vom Programm irgendwohin, hintert\u00fcren in Webbrowsern f\u00fcr Geheimdienste diverser Nationen und sogar Hardware die Regierungen Zugriff auf den heimischen Rechnern gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Freie und Open Source Software wirkt dieser Kontrolle und \u00dcberwachung entgegen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die Software ist durch die Ver\u00f6ffentlichung von Quelltexten im Internet immer frei zug\u00e4nglich f\u00fcr jede*n, selbst bei versuchter staatlicher Zensur.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Der*die Nutzer*in kann, durch den einsehbaren Quelltext, \u00fcberpr\u00fcfen (oder pr\u00fcfen lassen), ob die Software irgendwo unn\u00f6tige Daten weitergibt oder f\u00fcr Dritte sichtbar macht.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Verwendete Verschl\u00fcsselungstechnik kann auf Standfestigkeit \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Schwachstellen (Bugs oder Sicherheitsl\u00fccken) k\u00f6nnen schnell und von vielen Menschen auf der Welt sofort entfernt werden.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Wegen den verwendeten Copyleft Lizenzen m\u00fcssen Ver\u00e4nderungen des urspr\u00fcnglichen Quelltextes genauso wieder ver\u00f6ffentlicht werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ganz nebenbei kann auch mit Opensource-Entwicklung Geld verdient werden. Beispielsweise \u00fcber Spenden, Crowdsourcing und Supportdienstleistungen, so finanzieren sich ganze Firmen (z.B. RedHat).<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Copyright und Copyleft: Eigentum, Urheberrecht und Wissensfreiheit<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_cp_isnt_mv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-85\" src=\"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_cp_isnt_mv-1024x733.jpg\" alt=\"sticker_a7_cp_isnt_mv\" width=\"500\" height=\"358\" srcset=\"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_cp_isnt_mv-1024x733.jpg 1024w, https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_cp_isnt_mv-300x215.jpg 300w, https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-content\/uploads\/sites\/12\/2015\/03\/sticker_a7_cp_isnt_mv.jpg 1288w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a>Geistiges Eigentum ist in unserer Gesellschaft ein sehr vehement verteidigtes Gut. Ideen werden ganz selbstverst\u00e4ndlich mit dem*r Denker*in selbst verbunden.<br \/>\nWir diskutieren \u00fcber \u00d6konomie auf der Basis von dem <em>Marx<\/em>ismus, analysieren Kunstwerke von <em>Dali<\/em> und kritisieren die Philosophie von <em>Kant<\/em>. Mindestens genauso heftig wie bei materiellem Eigentum verbinden wir Ideen mit einzelnen Personen und betrachten diese Ideen (fast) immer in diesem Kontext. Daraus resultiert gleichzeitig eine (schwache) Art von Personenkult im Bezug auf dessen geistigen Eigentums. Dies f\u00fchrt dazu, dass Autor*innen nach ihren Ideen beurteilt werden, oder die Werke werden auf Basis des Lebens des*r Autors*in verurteilt. H\u00e4ufiges Ergebnis ist dabei, dass Ideen wegen dem*r Verfasser*in verworfen werden (oder andersrum).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedoch sind die Faktoren, welche Worte und Taten von Menschen beeinflussen, vielf\u00e4ltig. Insbesondere der soziale und \u00f6konomische Hintergrund oder Einfluss einzelner Individuen z\u00e4hlen dazu. Die Behauptung, dass Werke ihre einzige Quelle in einer Person finden, ist eine starke Vereinfachung der Realit\u00e4t. Vielmehr ist jedes Werk ein Produkt der Gemeinschaft, in der es entstand. Ist es damit nicht auch ein Gemeingut, welches Allen zur Verf\u00fcgung stehen sollte? Doch wir sind an diese Idee so sehr gew\u00f6hnt, das es schwierig ist, sich andere Konzepte vorzustellen. Die feste Verkn\u00fcpfung von Ideen an Personen hat zwei offensichtliche Folgen:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die Anerkennung von intellektuellen Rechten f\u00fchrt zur \u00dcberh\u00f6hung des \u201cErschaffenden\u201d \u00fcber alle anderen. Die F\u00e4higkeit zum*r \u201cDenker*in\u201d und \u201cK\u00fcnstler*in\u201d trennt eine geistige Elite von der angeblich normalen Bev\u00f6lkerung, welche ohne Schulung oder Talent nicht in der Lage sei Kunst zu produzieren, oder abstrakte Gedankenkonstrukte zu konstruieren. Es wird eine Avantgarde projeziert, welche jenseits der Bev\u00f6lkerung steht. Dabei kann jeder Mensch Kunst und Wissen produzieren und tut dies in einem gewissen Rahmen automatisch.<\/li>\n<li>Die direkte Assoziation von Ideen mit ihren \u201cBesitzenden\u201d f\u00f6rdert die Akzeptanz dieser Ideen in ihrer urspr\u00fcnglichen Form. Nur in dieser Form werden diese Ideen gelehrt. Selten wird man dazu animiert, sich relevante Teile auszusuchen und mit anderen Ideen zu verkn\u00fcpfen. Unsere Gesellschaft ist darauf ausgerichtet, dass Ideen immer nur im urspr\u00fcnglichen Rahmen betrachten werden. Mummifiziert durch diesen Umgang, verlieren die Ideen jegliche Bedeutung f\u00fcr unsere moderne Existenz. W\u00fcrde man diese Ideen mit etwas weniger Verehrung behandeln, k\u00f6nnten sie neue Formen annehmen und neue Einsichten liefern.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Umgang mit Ideen muss unser Fokus mehr auf den Inhalt gerichtet sein. Der Wert von Ideen liegt in ihnen selbst, viel weniger in den Umst\u00e4nden, unter denen sie zusammengekommen sind. Deswegen gilt es die Autorit\u00e4t \u00fcber Ideen anzufechten. Nur dadurch k\u00f6nnen wir eine freie und kritische Entfaltung von neuen Ideen gew\u00e4hrleisten. Dabei sollte der Inhalt ins Zentrum gestellt werden. Statt Ideen als Autorit\u00e4ten wahrzunehmen, eignen wir sie uns an und verwenden sie, wie wir wollen! Wir m\u00fcssen uns eine Frage stellen: Haben wir Ideen, oder haben Ideen uns?<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8220;You wouldn&#8217;t download a car&#8230; would you?&#8221; &#8211; Unbekannt.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Vergleich zu materiellen Produkten wie B\u00fcchern, Bauanleitungen, Maschinen, etc. lassen sich Software und digitale Daten auch mit minimalem Aufwand von jeden*r reproduzieren. Das alles mit einem simplen Knopfdruck am Rechner. Es gibt hier keinen (nennenswerten) Mehraufwand ein Produkt zu vervielf\u00e4ltigen, der Arbeitsaufwand, der bei der Vervielf\u00e4ltigung sonst anf\u00e4llt, existiert bei der Programmentwicklung nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob Spiel, Officeprogramm, Bildbearbeitung, Musik, Videos oder ganze Betriebssysteme, f\u00fcr ein klein bisschen Strom ist im digitalen Zeitalter alles vervielf\u00e4ltigt. Dank schneller und einfacher Vervielf\u00e4ltigung k\u00f6nnen heutzutage viel mehr Menschen selber Werke erschaffen (man bedenke hier Indie Games, die Remix-Kultur moderner Musik oder ganze Filme mit neuer Tonspur). Dieser kreativen und produktiven Vielfalt steht allerdings das Urheberrecht gegen\u00fcber. In vielen L\u00e4ndern der Welt d\u00fcrfen Werke nur mit Genehmigung des Erschaffenden (oder der Firma, die ihn*sie unter Vertrag hat) vervielf\u00e4ltigt und verbreitet werden, fast ausschlie\u00dflich gegen Geld. Erst viele Jahre nach dem Tod des Erschaffenden (in der BRD sind es 70 Jahre) d\u00fcrfen seine*ihre Werke frei kopiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Urheberrechtsgesetz ist ein Anachronismus aus l\u00e4ngst vergangener Tage, bei denen Produkte noch analog reproduziert werden mussten. Eine Zeit, zu der tats\u00e4chlicher materieller Wert und Arbeitskraft hinter jedem Exemplar eines Werkes steckten. Unter diesen Bedingungen war in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft das aneignen eines Buches (oder \u00e4hnlichem) Diebstahl, denn der*die urspr\u00fcngliche Besitzer*in hatte das betroffene Werk danach nicht mehr. In dieser Logik versuchen Hersteller von Computerspielen, Musik und Filmen, welche immer noch mit veralteten Vertriebsmustern handeln, auch heute zu argumentieren. Ein illegal runtergeladener Film wird als \u201cgeklaut\u201d gewertet. Dabei wurde niemand enteignet, es fehlt niemand anders dieses Produkt. Es wurde lediglich kopiert, das Original ist weiterhin dort, wo es vorher war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oft wird argumentiert, das Raubkopierer das Produkt gekauft h\u00e4tten, wenn sie es nicht h\u00e4tten runterladen k\u00f6nnen. Es ist aber \u00e4u\u00dferst Fraglich, ob jemand sich ein Film \u00fcberhaupt gekauft h\u00e4tte, wenn er*sie ihn nicht herunterladen h\u00e4tte k\u00f6nnen. Vielleicht h\u00e4tte er*sie dann seine*ihre Freizeit doch lieber anders gef\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Schnelllebigkeit digitaler Produkte wird das Urheberrecht nicht gerecht. Es ist zu einem Hindernis f\u00fcr die Entwicklung in der digitalen Welt im 21. Jahrhundert geworden. Die (Kultur-)Industrie ist an einem Punkt angekommen, wo sie sich ver\u00e4ndern muss. F\u00fcr uns ist es wichtig, zu beeinflussen, wohin sie sich ver\u00e4ndert. Es ist offensichtlich, dass das herk\u00f6mmliche Urheberrecht abgeschafft geh\u00f6rt und andere Entlohnungswege f\u00fcr Entwickler*innen und andere kreative Menschen gefunden werden m\u00fcssen, \u00e4hnlich wie bei der Softwareentwicklung durch die Opensource-Bewegung schon in Ans\u00e4tzen geschehen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Kleines Fazit:<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr eine Welt ohne Wettbewerb, \u00dcberlebenskampf und Kontrolle m\u00fcssen wir Technologien erfinden und nutzen, mit denen wir die Welt besser genie\u00dfen k\u00f6nnen. Was wir schon haben, muss ausgenutzt werden. Eine Weiterentwicklung der Technik nur um ihrer selbst willen bringt uns kein St\u00fcck n\u00e4her an eine bessere Welt, stattdessen entfremdet es uns nur noch mehr von ihr. Die Werkzeuge die wir jeden Tag verwenden, sollten nach unserem Idealismus modelliert sein und nicht reproduzieren, was wir abschaffen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Technologien, die wir verwenden m\u00fcssen deshalb dezentral sein, Zusammenarbeit statt Wettbewerb f\u00f6rdern und passive Nutzer*innen zu aktive Erschaffer*innen machen. Unsere Werkzeuge m\u00fcssen wir anpassen, um unsere Welt besser zu machen. Eigentlich wollen wir weniger Zeit vor leuchtenden Scheiben verbringen und mehr Zeit zum tats\u00e4chlich leben!<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Zentrale Ziele sind f\u00fcr uns deshalb:<\/h4>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die digitale Infrastruktur (sowohl das Festnetz wie auch das Mobilfunknetz) muss dezentral ausgebaut (besonders in l\u00e4ndlichen Gebieten) und vergesellschaftet werden. Dabei muss der Ausbau von Hochgeschwindigkeitsanschl\u00fcssen besonders gest\u00e4rkt werden.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Zugang zur digitalen Infrastruktur muss f\u00fcr alle Menschen frei (sowohl finanziell, wie auch frei von \u00dcberwachung, Zensur und anderen Kontrollen) und gleich (keine Differenzierung der Qualit\u00e4t der Verbindung nach Einkommen, Herkunft, Staatsb\u00fcrgerschaft, Wohnort, etc.) sein.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Das Briefgeheimnis muss auch f\u00fcr Datenpakete in Netzwerken gelten. Anbieter*innen von Netzzug\u00e4ngen (Egal ob von Privatpersonen oder Unternehmen) oder Dienstleistungen (wie Torrenseiten) d\u00fcrfen nicht verantwortlich gemacht werden f\u00fcr Straftaten, welche durch die Nutzer*innen begangen werden.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die Entwicklung von Freier und Offener Software muss unterst\u00fctzt und vorangetrieben werden. Offene Dateistandards m\u00fcssen besonders in der staatlichen Verwaltung umgesetzt werden. Elektronische Verwaltungsabl\u00e4ufe (wie Steuererkl\u00e4rungen) m\u00fcssen Betriebssystemunabh\u00e4ngig m\u00f6glich sein.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Das Urheberrecht muss abgeschafft und\/oder ersetzt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich abzuschotten ist inzwischen keine L\u00f6sung mehr. Man kann nicht mehr aussteigen aus der zunehmend Digitalisierung. Auch wenn mensch die Vorh\u00e4nge zu zieht, seine T\u00fcr verriegelt, sein Smartphone zerschl\u00e4gt und nur noch Bargeld benutzt, wird mensch trotzdem vom alles sehenden Algorithmus entdeckt. Auto, Wohnort, Briefe, alles ist inzwischen als Daten vorhanden, es gibt daraus kein Ausweg mehr. Das Internet ist im jetzigen Zustand eine gescheiterte Utopie, aber wir d\u00fcrfen diese Utopie nicht aufgeben, denn sie kann noch gerettet werden!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/digital-frontier-zitat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1173\" src=\"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/digital-frontier-zitat-1024x486.jpg\" alt=\"digital-frontier-zitat\" width=\"860\" height=\"408\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum nicht Netzpolitik? Vielerorts wird \u00fcber die sogenannte \u201cNetzpolitik\u201d debattiert, was das genau ist wei\u00df aber eigentlich keiner. Generell wird angenommen es handele sich um Politik \u00fcber das Internet. F\u00fcr uns gibt es zwei Gr\u00fcnde<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":66,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"class_list":["post-69","page","type-page","status-publish","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/P671Fw-17","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/69","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/69\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":94,"href":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/69\/revisions\/94"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/66"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/kita\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}