{"id":194,"date":"2016-03-09T15:21:22","date_gmt":"2016-03-09T15:21:22","guid":{"rendered":"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/konstanz\/?p=194"},"modified":"2016-03-09T15:21:22","modified_gmt":"2016-03-09T15:21:22","slug":"ex-fahnder-tempel-jede-droge-ist-zu-gefahrlich-fur-den-schwarzmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/konstanz\/2016\/03\/09\/ex-fahnder-tempel-jede-droge-ist-zu-gefahrlich-fur-den-schwarzmarkt\/","title":{"rendered":"Ex-Fahnder Tempel: &#8220;Jede Droge ist zu gef\u00e4hrlich f\u00fcr den Schwarzmarkt!&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/konstanz\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2016\/03\/2016-03-09_Tempel-HP.jpg\" rel=\"attachment wp-att-197\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-197\" src=\"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/konstanz\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2016\/03\/2016-03-09_Tempel-HP-300x212.jpg\" alt=\"&quot;Jede Droge ist zu gef\u00e4hrlich, um sie dem Schwarzmark zu \u00fcberlassen.&quot;\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/konstanz\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2016\/03\/2016-03-09_Tempel-HP-300x212.jpg 300w, https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/konstanz\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2016\/03\/2016-03-09_Tempel-HP-768x542.jpg 768w, https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/konstanz\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2016\/03\/2016-03-09_Tempel-HP-1024x723.jpg 1024w, https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/konstanz\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2016\/03\/2016-03-09_Tempel-HP.jpg 1416w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><strong>&#8220;Jede Droge, die man dem Schwarzmarkt \u00fcberl\u00e4sst, ist gef\u00e4hrlicher&#8221;, zog Frank Tempel am Dienstagabend im Konstanzer Hotel Barbarossa vor den 35 zumeist jugendlichen Zuh\u00f6rer*innen einen Vergleich zu Modellen, bei denen der Drogenerwerb legal sei. Der Exleiter einer Drogenfahndungsgruppe in Ostth\u00fcringen ist heute Drogenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Deutschen Bundestag.<\/strong><\/p>\n<p>Seine These untermauert der einstige Polizeibeamte damit, dass ein staatliches Kontrollorgan Verbraucherschutz gew\u00e4hrleisten und entsprechende Jugendschutzgesetze einf\u00fchren kann. &#8220;Den Schwarzmarkt interessiert es nicht, ob der K\u00e4ufer 14, 16 oder 20 Jahre alt ist&#8221;, so der 47-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Als prominentes Beispiel f\u00fchrt Tempel die Droge Pervitin an, die in Deutschland bis 1988 hergestellt wurde. Der Nachfolger &#8220;Crystal Meth&#8221; macht gerade die Runde, wird unter Hobbylaborbedingungen hergestellt und mit teils abenteuerlichen Streckmitteln versehen. So lange die Herstellung des Stoffs rechtlicher \u00dcberpr\u00fcfung unterlag, sei hingegen klar gewesen, wie hoch der Wirkungsgrad der Droge in welchen Mengen ist und es war garantiert, dass das einstige Arzeneimittel nicht verunreinigt gewesen sei.<\/p>\n<p>Auch interessant: Bei der Verurteilungwegen des Versto\u00dfes gegen das Bet\u00e4ubungsmittelgesetz ist der Wirkstoffgehalt der gefundenen Drogenmenge entscheidend, nicht die Menge an sich. Das hei\u00dft, dass ein*e Dealer*in besser vor dem Gesetz wegkommt, sofern er*sie wom\u00f6glich gef\u00e4hrlich gestreckte Drogen verbreitet. Damit sch\u00fctzt das Gesetz Dealer*innen, die gestreckte Substanzen verkaufen. Paradoxer Weise geht es vor dem Gesetz damit jenen Dealer*innen schlechter, die ihrer Schwarzmarktkundschaft reinere &#8211; also weniger gesundheitssch\u00e4dliche &#8211; Drogen verkaufen.<\/p>\n<p>Der Angst von Drogenlegalisierungs-Gegner*innen, mit einer Entkriminalisierung ginge ein sprunghafter Anstieg der Konsument*innenzahlen einher, m\u00fcsse man argumentativ entgegenwirken. So seien Menschen, die das erste Mal in ihrem Leben Cannabis probierten, in den Niederlanden um 8 Prozent \u00e4lter als in Deutschland. Der Anteil regelm\u00e4\u00dfig kiffender Menschen nicht h\u00f6her. Tempels Empfehlung lautet, bei einer Entkriminalisierung gleichzeitig die Pr\u00e4vention zu st\u00e4rken. In Deutschland g\u00e4be man allein 87 Prozent der Gelder f\u00fcr die Strafverfolgung von Drogenkonsument*innen aus. Nur 13 Prozent flie\u00dfen in die Aufkl\u00e4rung und Suchtberatung.<\/p>\n<p>Hinsichtlich Cannabis pl\u00e4diert Tempel f\u00fcr nichtkommerzielle L\u00f6sungen, etwa Cannabis Social Clubs, in denen jedes Mitglied ein bestimmtes Kontingent an Cannabispflanzen im Verein f\u00fcr den Eigenbedarf anbauen k\u00f6nne. Diese Ma\u00dfnahme hilft auch, den Jugendschutz voranzutreiben, da somit eine rechtliche Schranke eingef\u00fchrt wird und die Mengen besser kontrolliert werden k\u00f6nnen. Gleichzeitig warnt Tempel vor der Illusion, dass jemals ein einhundertprozentiger Jugendschutz m\u00f6glich sei.<\/p>\n<p>Um Doppelmitgliedschaften in den Cannabis Social Clubs zu vermeiden solle man die Vereine nach dem Vorbild von Uruguay staatlich registrieren und die Anzahl der Mitglieder einfach begrenzen. In dem s\u00fcdamerikanischen Land besteht ein solcher Club aus maximal 45 Mitgliedern.<\/p>\n<p>Eine Folge der kommerziellen L\u00f6sung im US-Bundesstaat Colorado sei unter anderem, dass vor allem der Gewinn im Vordergrund stehe, wodurch die Zahl der Abh\u00e4ngigen nur langsam zur\u00fcckgehe und Probleme der Illegalit\u00e4t teils weiterhin best\u00fcnden. Allerdings h\u00e4lt Tempel fest: &#8220;Jedes Modell ist besser als dasSchwarzmarktmodell.&#8221; Denn dass in Colorados Hauptstadt Denver die Mordrate um 50 Prozent zur\u00fcckgegangen ist, seit &#8220;Gr\u00fcnes&#8221; legal erwerbbar ist, l\u00e4sst sich nicht (ganz) von der Hand weisen.<\/p>\n<p>Insgesamt konstatiert er in der fast zweist\u00fcndigen Veranstaltung, dass die westliche Drogenverbotspolitik gescheitert ist. In Lateinamerika habe die repressive Drogenpolitik dazu gef\u00fchrt, dass letztlich Kleinkonsument*innen reihenweise verhaftet wurden, die mafi\u00f6sen Drogenhandelsstrukturen aber nicht einged\u00e4mmt werden konnten. Auf Delegationsreisen in Lateinamerika hatte man den Vertreter*innen des Bundestages mitgegeben: &#8220;Die westliche Drogenpolitik bezahlen wir mit Blut.&#8221;<\/p>\n<p>Letztlich war das der Grund, weswegen derzeit zahlreiche lateinamerikanische L\u00e4nder auf eine liberalere Drogenpolitik umschwenkten, denn 100.000 Todesopfer im Kampf gegen die bewusstseinserweiternden Substanzen sei keine Polizeiarbeit, sondern Krieg.<\/p>\n<p>Das f\u00fchre auch dazu, dass im Moment die Bundesregierung und deren Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU), langsam umdenken und noch in dieser Legislaturperiode gute Chancen bestehen, dass Marihuana zumindest f\u00fcr die medizinische Verwendung freigegeben wird &#8211; gerade dank beharrlicher Oppositionsarbeit. Einer Arbeit, die langfristig vielleicht sogar mehr erreicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Jede Droge, die man dem Schwarzmarkt \u00fcberl\u00e4sst, ist gef\u00e4hrlicher&#8221;, zog Frank Tempel am Dienstagabend im Konstanzer Hotel Barbarossa vor den 35 zumeist jugendlichen Zuh\u00f6rer*innen einen Vergleich zu Modellen, bei denen der Drogenerwerb legal sei. 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