{"id":1155,"date":"2016-05-01T20:04:32","date_gmt":"2016-05-01T20:04:32","guid":{"rendered":"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/ortenau\/?p=1155"},"modified":"2016-05-01T20:04:32","modified_gmt":"2016-05-01T20:04:32","slug":"nachdenken-uber-den-1-mai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/ortenau\/2016\/05\/01\/nachdenken-uber-den-1-mai\/","title":{"rendered":"Nachdenken \u00fcber den 1. Mai"},"content":{"rendered":"<p>Der erste Mai gilt schon \u00fcber ein Jahrhundert lang als der Kampftag der Arbeiterklasse. Menschen gehen auf die Stra\u00dfe f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hne, bessere Arbeitsbedingungen, gegen Kriege, Hunger etc. , kurz gesagt sie gehen gegen das System des Kapitalismus auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Doch es sind immer noch weitaus zu wenige und die Staatsmacht zu stark, dass diese Wenige ein neues System etablieren k\u00f6nnten, welches Gleichberechtigung, Frieden und Reichtum f\u00fcr alle schaffen k\u00f6nnte. Die Mehrheit sitzt zuhause oder zieht mit ihren Bollerwagen durch die Lande, um sich zu betrinken. Den Alltagsstress zu vergessen, vergessen dass man auf Arbeit Stress mit dem Chef hat, vergessen, dass man bis Hals \u00fcber Kopf in Schulden steckt oder vergessen, dass man am n\u00e4chsten Tag wieder zur Arbeit muss, um sich oder die Familie ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Man lenkt sich ab, oftmals auch mit den neuen Medien, die immer noch mit Realiti TV einem selbst aufzeigen, dass es immer noch Menschen gibt, die tiefer in der Schei\u00dfe stecken. Dass die eigene Situation doch nicht so schlimm ist.<!--more--><\/p>\n<p>Aber verdammt nochmal unsere Situation ist beschissen. Wir tun Dinge, die wir nicht tun wollen (wenn wir mal Zeit h\u00e4tten genauer unser Handeln zu reflektieren) und das nur, weil das System es uns vorgibt. Deshalb d\u00fcrfen wir uns nicht einreden, dem Nachbar geht es beschissener. Wir m\u00fcssen analysieren, warum geht es dem Nachbarn beschissen, warum geht es mir selbst beschissen und gibt es zwischen dieser Beschissenheit nicht einen Zusammenhang? Hat der Nachbar vielleicht keinen Job, w\u00e4hrend ich \u00dcberstunden schiebe, die auch noch schlecht oder gar nicht bezahlt werden, w\u00e4hrend sich irgendwelche Aktion\u00e4re oder Bosse, fette Gewinnmargen aussch\u00fctten?<\/p>\n<p>Und ist der Fl\u00fcchtling aus dem Lager nebenan nicht vielleicht auch einfach ein Opfer jener, die mir t\u00e4glich sagen, ich soll meine Steuer zahlen, zur Arbeit gehen und brav sein? Wurde er nicht aus seiner Heimat vertrieben, weil irgendwelche Konzerne fette Profite scheffeln wollen und deshalb seine Heimat zerst\u00f6rten. Und sind es nicht die gleichen Konzerne oder Politiker, die uns aus unseren H\u00e4usern jagen, wenn wir die Rechnungen nicht bezahlen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Es ist das ewige Spiel der Klassengesellschaften. Die einen kassieren, die anderen malochen.<\/p>\n<p>Aber Klassen gibt es ja nicht mehr sagt man. Oder sagen sie? Wem n\u00fctzt es denn wohl, dass Mensch denkt, es gibt keine Klassen mehr?<\/p>\n<p>Ist es denn nicht wirklich so, dass einige eben Kapital haben und andere haben nichts au\u00dfer ihrer Arbeitskraft? Und das sind eben Milliarden. Milliarden Menschen auf dieser Welt, die nichts haben au\u00dfer ihrer Arbeitskraft, die tag t\u00e4glich mehr oder weniger ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen. Arbeiten, arbeiten, arbeiten&#8230;.. w\u00e4hrend andere keine Arbeit haben. Und das obwohl die Produktivkr\u00e4fte l\u00e4ngst an einem Punkt angekommen sind, an der alle Menschen versorgt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Stattdessen produzieren wir Plastikramschwaren, tausende Autos, die die Luft verpesten oder erzeugen Lebensmittel, die wir schon w\u00e4hrend der Produktion wieder in den M\u00fcll schmei\u00dfen. Aber der Kapitalismus kennt keine Moral, deshalb ist es ihm und den Kapitalisten egal, ob ein Mensch auf der Welt hungert oder an Krieg leidet, Hauptsache der Profit stimmt. Denn wir k\u00f6nnen ja nicht alle retten&#8230;..<\/p>\n<p>Nun stehen wir also hier, Europa 2016. In Frankreich herrscht seit Monaten Ausnahmezustand. G\u00fcnstig f\u00fcr die Regierung, dass die Sparprogramme direkt mit den Terroranschl\u00e4gen zusammen fallen. Und so kann man alle Demonstranten wegkn\u00fcppeln, im Namen der Sicherheit.<\/p>\n<p>Eine hochger\u00fcstete Polizei steht uns mittlerweile in ganz Europa entgegen und st\u00e4ndig haben wir den Herrschenden diese Aufr\u00fcstung damit durchgehen lassen, dass wir uns vor Terror sch\u00fctzen m\u00fcssen. Doch, dass der wahre Terror vom System ausgestrahlt wird, dass die Entscheidungen der Politiker und Bosse eigentlich die wahre Gewalt ist, dass wird vergessen und ertr\u00e4nkt im nationalistischen Geschwafel der Rattenf\u00e4nger von FN, AfD, CSU und wie sie alle hei\u00dfen. Dieser Hass wird so hart und lange gesch\u00fcrt, dass die Menschen verblenden und nicht mehr sehen, was vor ihren Augen passiert. Und so bockt es auch nur noch wenige, dass 10 Jahre lang M\u00f6rder durch Deutschland ziehen und mithilfe des Staates 10 Menschen t\u00f6ten konnten. Es interessiert nur wenige, dass ein Menschen bei lebendigem Leibe in einer Polizeizelle angez\u00fcndet wurde. Und wenige achten darauf, dass Deutschland sich immer weiter militarisiert und Truppen in fremde L\u00e4nder schickt. Denn das Ziel steht f\u00fcr viele schon klar, entweder es sind halt 1 oder 2 Politiker, die weg m\u00fcssen, es sind die Fl\u00fcchtlinge oder wir brauchen einfach mehr Liebe zueinander.<\/p>\n<p>NEIN! Wir brauchen die Erkenntnis, dass der Nachbar in der selben Schei\u00dfe steckt wie ich selber und wir unser Hauptproblem nur dann l\u00f6sen k\u00f6nnen, wenn wir gemeinsam ein neues System aufbauen. Hierzu braucht es aber eine Analyse, Zeit und den Willen sich auch mal mit etwas genauer zu befassen, vor allem dar\u00fcber zu diskutieren und sich auch kontroverse Positionen anzuh\u00f6ren, um dar\u00fcber nachzudenken.<\/p>\n<p>Hierf\u00fcr muss man sich auch organisieren, also geht raus, organisiert euch. Sagt nicht immer, ja eigentlich m\u00fcsste man etwas tun, zieht an eurer T\u00fcte und gebt sie dann weiter. Nein steht auf, sucht euch gleichgesinnte, diskutiert, analysiert, geht auf die Stra\u00dfe und schlie\u00dft euch weiteren an. Zuhause im Fernsehen wird es keine Ver\u00e4nderung geben und unser Leben wird auch nicht besser, wenn wir sagen morgen k\u00f6nnte alles besser werden, andere werden das schon f\u00fcr mich \u00fcbernehmen oder es hat ja eh alles keinen Sinn. Es macht keinen Sinn, tag t\u00e4glich 7-12h zu arbeiten, nach Hause zu kommen, v\u00f6llig kaputt zu sein und nur noch f\u00fcr das Wochenende zu leben. Es macht keinen Sinn, in psychische Depressionen zu verfallen und sich selbst zu bemitleiden. Vor allem aber macht es keinen Sinn, die Schuld einer Gruppe von Menschen zu zu schieben, die in der v\u00f6llig gleichen Klassenlage wie man selbst ist.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich muss man nicht raus gehen und wild durch die Gegend randalieren. Aber wer denkt, dass die Herrschenden einfach so ihre Macht aufgeben, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann und dass wir nur alle mehr Liebe zeigen m\u00fcssen. Das System ist gewalltvoll, es wehrt sich mit Gewalt und wird somit auch Gegengewalt erzeugen. Die Frage ist nur, wie diese dann eingesetzt wird und gegen was sie sich richtet. Sie aber pauschal zu verurteilen, sollte man lieber \u00fcberdenken, denn niemand will sich permanent von Bullen auf die Fresse schlagen lassen.<\/p>\n<p>Morgen j\u00e4hrt sich dann wieder einmal der 2. Mai. Der Tag an dem 1933 die Gewerkschaften dicht gemacht wurden, nachdem man die Kommunisten ausgeschalten hatte. Ob das heute nochmal so krass geht wie damals? Kann man nicht sagen. Was man aber sagen kann ist, dass derzeit die Gewerkschaften sich eher selber ausschalten, da sie wie Unternehmen arbeiten und nur noch auf Profite getrimmt sind, die sie durch Mitglieder erwerben. W\u00e4hrend im Parlament eine Verschlechterung der Arbeits- und Gewerkschaftsgesetze auf die n\u00e4chste folgt. Man kann sagen, dass die Polizei und die Geheimdienste besser denn je ausger\u00fcstet sind. Man kann sagen, dass das Milit\u00e4r im Innern eingesetzt werden kann. Dass Menschen bestialisch an den Grenzen verrecken, die Polizei gegen gro\u00dfe Widerst\u00e4nde, die einen Wechsel des Systems anstreben mit aller H\u00e4rte und Brutalit\u00e4t vorgehen. Und vor allem kann man sagen, dass man Tag f\u00fcr Tag doch ein bisschen selber kaputt geht.<\/p>\n<p>Also schalt den Fernseher wieder ein, z\u00fcnde die T\u00fcte an und zieh dir den nationalistischen Schei\u00df der Herrschenden rein. Denn das ist wesentlich entspannter und leichter zu akzeptieren, als zu verstehen, dass man selber aufstehen muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erste Mai gilt schon \u00fcber ein Jahrhundert lang als der Kampftag der Arbeiterklasse. 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