{"id":1379,"date":"2018-04-14T09:32:56","date_gmt":"2018-04-14T09:32:56","guid":{"rendered":"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/ortenau\/?p=1379"},"modified":"2022-06-10T20:05:57","modified_gmt":"2022-06-10T20:05:57","slug":"trump-ist-nicht-schuld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/ortenau\/2018\/04\/14\/trump-ist-nicht-schuld\/","title":{"rendered":"Trump ist nicht schuld"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen und Monaten geht der Mythos um, dass die aggressive Handelspolitik von US-Pr\u00e4sident Trump eine neue Wirtschaftskrise heraufbeschw\u00f6ren und das aktuelle Wirtschaftswachstum abw\u00fcrgen w\u00fcrde. Wie schon so oft, soll wieder einmal eine Person oder Institution daran schuld sein, wenn die Profite nicht mehr so laufen wie geplant. 2000 sollen es die IT-Unternehmen (Dotcom-Blase) gewesen sein, 2008 waren es die Banken, 2012 war es Griechenland, 2015 kurz der Chinese und nun also soll es Trump sein.<\/p>\n<p>Warum r\u00fcckt er gerade so in das Kreuzfeuer von Politik und Medien? Trump wagt es das bisher vorherrschende Primat des Freihandels, welcher sowieso nie wirklich voll und ganz umgesetzt war, in Frage zu stellen. Mit Handelsz\u00f6llen auf Importe will er die heimische Industrie st\u00e4rken, mit Steuersenkungen f\u00fcr Firmen in den USA will er die Wettbewerbsf\u00e4higkeit wieder herstellen. Trump ist der Ausdruck und die Antwort von Teilen des US-Kapitals, gegen die abnehmende Hegemonie des US-Imperiums. \u00dcber all die Jahre und Wirtschaftskrisen haben sich die USA, wie schon alle Weltm\u00e4chte zuvor, zu stark ausgedehnt und kann nun ihre Hegemonieanspr\u00fcche wirtschaftlich und finanziell nicht mehr aufrecht erhalten. Industrieketten sind ins Ausland abgewandert, das Handelsbilanzdefizit ist j\u00e4hrlich bei 516 Mrd. $ pro Jahr angekommen. Das hei\u00dft, die USA importieren mehr als sie exportieren und das schon \u00fcber Jahrzehnte hinweg. Kapital flie\u00dft also aus den USA ab, in andere L\u00e4nder, wie zum Beispiel China oder Deutschland, die daf\u00fcr wiederum an St\u00e4rke gewinnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nun ist es im Kapitalismus so, dass es einen Markt mit Nachfrage und Angebot gibt. Wenn dieser Markt ges\u00e4ttigt ist, d.h. das Angebot die Nachfrage stillt oder sogar mehr Angebot vorhanden ist, dann ist es nur m\u00f6glich sich Marktanteile abzugreifen, indem man billiger produziert (bessere Maschinen oder niedrigere L\u00f6hne), Schutzz\u00f6lle einf\u00fchrt, Konkurrenten aufkauft oder Konkurrenten durch Kriege aussch\u00e4lt. Da die Kriegsf\u00fchrung die USA in desastr\u00f6se Abenteuer gef\u00fchrt hat und dem US-Kapital mittlerweile starke ausl\u00e4ndische Kapitale gegen\u00fcberstehen, die ebenfalls riesige Kapitalmengen f\u00fcr den Aufkauf von Konkurrenten verwenden, versucht die USA nun die Schiene \u00fcber die Senkung der Arbeitskosten und \u00fcber Schutzz\u00f6lle. Solange es einen wachsenden Markt, eine Dominanz des US-Dollars und eine Vorherrschaft im Wirtschaftssektor gab, war die permanente Verschuldung der USA kein Problem. Doch sp\u00e4testens seit Obama mit einer Ausweitung der Kriegsabenteuer und der versuchten Sicherung der milit\u00e4rischen Dominanz, durch Ausbau der Milit\u00e4rpr\u00e4senz in Asien, die Verschuldung verdoppelte und gleichzeitig China als neue Wirtschaftsmacht Nummer 1 aufgestiegen ist, ist das US-Kapital zu einem Kurswechsel gezwungen, wenn es nicht dauerhaft seine Vormachtstellung einb\u00fc\u00dfen will.<\/p>\n<p>L\u00e4nder wie China und Deutschland haben ebenfalls durch Schutzz\u00f6lle und billigere Arbeitskraft, ihre Konkurrenzf\u00e4higkeit auf dem Weltmarkt all die Jahre ausgebaut und k\u00f6nnen nun, da ihre milit\u00e4rische St\u00e4rke w\u00e4chst, auch zunehmend dazu \u00fcbergehen diese kriegerisch auszubauen, bzw. abzusichern. Bei Deutschland zeigte sich das in der Agenda2010, welche die Arbeitskosten soweit senkte, dass man die Konkurrenten auf dem EU Markt niederwalzen konnte und gleichzeitig mit EU-Schutzz\u00f6llen den EU-Markt vor Deutscher Konkurrenz aus dem billigeren Ausland absicherte. Dies hat ma\u00dfgeblich zur massiven Verschuldung von L\u00e4ndern wie Griechenland, Italien, Spanien oder Frankreich beigetragen. Dennoch war aber nicht Deutschland schuld an der Wirtschaftskrise 2012, sondern die zyklisch auftretenden Krisen des Kapitalismus welche ein Problem der permanenten \u00dcberproduktion und der Beschr\u00e4nktheit des Marktes ist.<\/p>\n<p>Wenn also wieder einmal die Rede davon ist, dass Trump unser sch\u00f6nes Wirtschaftswachstum zerst\u00f6ren w\u00fcrde, dann ist das nichts mehr als, als nationalistisches Geschrei. Denn Deutschland mit seiner riesen Exportwalze ist darauf angewiesen \u00fcberall freien Zugang zu jedem Markt zu haben. Ob die deutsche Industrie,dabei Marktanteile von anderen Konkurrenten abgr\u00e4bt und somit diese in Insolvenz treibt, ist den Kommentatoren egal. Es z\u00e4hlt ja schlie\u00dflich nur das heimische Wirtschaftswachstum.<\/p>\n<p>Die Kapitalistische Landnahme ist weitestgehend abgeschlossen und auch der technologische Schub der Digitalisierung ist verflogen, welche in den 80er und 90ern nochmal einen Kapitalakkumulationsschub verursachte. Die gro\u00dfe Krise 2008\/2009 war dann aber der endg\u00fcltige Ausdruck einer \u00dcberproduktionskrise, aufgrund von Marktkapazit\u00e4tsgrenzen, die erreicht wurden. Deshalb war die Folge auch eine verst\u00e4rkte kriegerische Tendenz auf der Welt. Ein versch\u00e4rfter Kampf um den Zugang zu billigen Rohstoffen, Einflusssph\u00e4ren und die Ausschaltung von Konkurrenz. Aus der Reihe tanzende L\u00e4nder wie Libyen &amp; Syrien wurden platt gemacht. Libyen war Vorreiter auf dem afrikanischen Kontinent und wollte die Afrikanische Union unabh\u00e4ngiger vor allem von den westlichen Staaten machen, w\u00e4hrend Syrien zusammen mit dem Iran und als B\u00fcndnispartner des gro\u00dfen Konkurrenten des Westens Russland, seine Vormachtstellung im Nahen Osten weiter ausbaute. Nachdem Russland sich in den 90ern die Einflusssph\u00e4re auf dem Balkan und in Osteuropa einfach wegschnappen lies, verteidigt die dortige herrschende Klasse nun aggressiv ihre \u00dcberreste.<\/p>\n<p>Noch einmal kurz zur \u00dcbersicht der gro\u00dfen Wirtschaftskrisen in der Geschichte. Die erste gro\u00dfe Weltwirtschaftskrise begann 1929 und war eine Folge der verz\u00f6gerten Krise, die in den 1. Weltkrieg gef\u00fchrt hatte. Nachdem 1. WK gab es steigendes Wachstum, da langsam neue Arbeitsmethoden, also eine Erh\u00f6hung der Produktivit\u00e4t, sowie der Aufbau Europas die Wirtschaft ankurbelte. Der Fordismus und Taylorismus hielten langsam Einzug in die Gesellschaft. Die gro\u00dfe Depression 1929 f\u00fchrte sp\u00e4ter dann in den 2. Weltkrieg, in der sich die Gro\u00dfm\u00e4chte erneut um Einflusssph\u00e4ren und Profite bekriegten. Nach 1945 hielt der Fordismus nun endg\u00fcltig Einzug in das Wirtschaftsleben aller L\u00e4nder und legte somit die Basis f\u00fcr Massenkonsum, hinzu kam, dass nach und nach die Kolonien sich durch ihre Unabh\u00e4ngigkeit entwickeln und ein gr\u00f6\u00dferer Teil in der kapitalistischen Landnahme werden konnten. L\u00e4nder wie China, Indien, Brasilien wurden nun durch kapitalisiert und wurden industriell voran gebracht. Das brachte vor allem noch mal ein paar Milliarden mehr an Konsumenten in den Markt. Doch 1973 kam schon die n\u00e4chste Krise und das obwohl die Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder noch nicht vollst\u00e4ndig durchkapitalisiert waren, doch das Angebot wuchs schneller als die Nachfrage geschaffen werden konnte. Mit dem Umbau auf Computerisierung, wurde der B\u00f6rsenhandel revolutioniert und die Produktivit\u00e4t noch einmal massiv erh\u00f6ht, dh. Der Konsum wurde noch einmal, auch durch den ganzen Umbau der Produktionsmittel auf Computerisierung, angekurbelt. Das Kapital hatte nun viel bessere M\u00f6glichkeiten schnell von einem Ort zum anderen zu gelangen. D.h. Kredite und somit Blasenbildungen erh\u00f6hten sich. Das f\u00fchrte im Jahr 2000 zur Dotcom Krise, die ein Resultat der verz\u00f6gerten Krise zu Beginn der 90er Jahre war. Doch durch den Wegfall des Ostblocks und die \u00d6ffnung des chinesischen Reiches, konnte das Kapital wieder neue L\u00e4nder erobern und sich dort akkumulieren. Die Staaten reagierten wie sp\u00e4ter dann auch im Jahr 2012\/2015 mit einer Senkung der Leitzinsen, was die Wirtschaft nochmal ankurbelte, da die Verschuldung und somit die Nachfrage stieg, gleichzeitig aber auch noch mehr Blasen erschuf, welcher in der n\u00e4chsten Wirtschaftskrise die Ausw\u00fcchse noch verst\u00e4rkten. Man befindet sich nun aber im Dilemma. Erh\u00f6ht man die Zinsen und stoppt die Anleihenprogramme (die FED hat mittlerweile 4,5 Billionen zus\u00e4tzliche Dollar in den Markt gepumpt, die EZB \u00fcber 2 Billionen \u20ac), denen kein realer Gegenwert gegen\u00fcbersteht, kann es mit ziemlicher Voraussicht passieren, dass das auf pump erkaufte Wirtschaftswachstum schnell wieder einbricht. Vor allem an der B\u00f6rse kann dann wieder Massenpanik\/Massenverk\u00e4ufe entstehen, was fallende Aktienkurse und weltweite Bankenzusammenbr\u00fcche zur Folge haben kann. Jetzt haben die Kapitalisten und auch Konsumenten das Gl\u00fcck, dass die Zinsen niedrig sind und sie sich so auch billige Kredite leisten k\u00f6nnen. Hinzu kommt, dass die Banken aufgrund der Geldschwemme gro\u00dfz\u00fcgig Kredite vergeben, da sie ihre Profite halten\/erh\u00f6hen m\u00fcssen. Auch hier am Kapitalmarkt herrscht gerade ein \u00dcberangebot an Geld, weshalb es zu vermehrten Blasenbildungen z.b. bei Bitcoin und Immobilien kommt.<\/p>\n<p>Jeder Depp kann sich einen Kredit zulegen. Das hat auch dazu gef\u00fchrt, dass die faulen Kredite, wie schon im Jahr 2006\/2007 massiv anwachsen. Seit der Krise 2008\/2009 hat sich allein die Kreditvergabe der Autoindustrie verdoppelt. So besitzen die 3 gro\u00dfen der Autoindustrie in Deutschlands (VW\/BMW\/Daimler) mittlerweile 283 Milliarden \u20ac an Krediten. Sie machen rund 1\/3 des gesamten Konzernverm\u00f6gens aus. Bei BMW sind es sogar 40%. Die Menschen kaufen sich Autos auf Pump. Das geht aber nur solange gut, wie die durch die Geldschwemme der Zentralbanken k\u00fcnstlich nach oben getrieben Nachfrage die Wirtschaft am Laufen h\u00e4lt. Aber auch diese Nachfrage wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ges\u00e4ttigt und dann beginnt die Abw\u00e4rtsspirale aus Jobabbau, Schulden, die nicht zur\u00fcck gezahlt werden k\u00f6nnen und st\u00e4rker sinkender Nachfrage.<\/p>\n<p>Wir sehen also es liegt nicht an Trump, den Chinesen oder an den faulen Griechen, die ihre Schulden nicht zur\u00fcck zahlen k\u00f6nnen. Es liegt am Wesen des kapitalistischen Systems mit seiner Nachfrage, dem Angebot und dem st\u00e4ndigen Streben der Kapitalisten nach Profit. Um diese Krisen und die daraus resultierenden Kriege, Hungersn\u00f6te und Verwahrlosungen ganzer Ortschaften in Zukunft entgegen wirken zu k\u00f6nnen, braucht es ein anderes Wirtschaftsmodell. Eines das nicht darauf ausgerichtet ist, Profit um jeden Preis zu erwirtschaften. Eine Wirtschaft die geplant und solidarisch f\u00fcr die Menschen produziert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen und Monaten geht der Mythos um, dass die aggressive Handelspolitik von US-Pr\u00e4sident Trump eine neue Wirtschaftskrise heraufbeschw\u00f6ren und das aktuelle Wirtschaftswachstum abw\u00fcrgen w\u00fcrde. 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