{"id":80,"date":"2018-05-05T15:48:45","date_gmt":"2018-05-05T15:48:45","guid":{"rendered":"http:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/shaho\/?p=80"},"modified":"2018-07-23T20:05:21","modified_gmt":"2018-07-23T20:05:21","slug":"200-jahre-karl-marx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linksjugend-solid-bw.de\/shaho\/2018\/05\/05\/200-jahre-karl-marx\/","title":{"rendered":"200 Jahre Karl Marx"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium\" src=\"https:\/\/www.die-linke.de\/fileadmin\/user_upload\/marx_760x428.jpg\" width=\"760\" height=\"428\" \/><\/p>\n<p>Erkl\u00e4rung der Historischen Kommission der Partei DIE LINKE zum 200. Geburtstag von Karl Marx<\/p>\n<p>Vor 200 Jahren, am 5. Mai 1818, wurde Karl Marx geboren. Er hob gemeinsam mit Friedrich Engels die Kritik der politischen \u00d6konomie und die Philosophie auf eine neue Stufe und gab somit der entstehenden sozialistischen Bewegung wissenschaftliche sowie praktische Impulse.<\/p>\n<p>Marx war ein politischer Mensch. In seinen Schriften baute er auf die Philosophie des deutschen Idealismus, die britischen National\u00f6konomen und die vornehmlich franz\u00f6sischen Sozialutopisten auf. Hieraus wurde der wissenschaftliche Sozialismus begr\u00fcndet, in Abgrenzung zu ausgemalten Utopien eines zuk\u00fcnftigen Kommunismus und mit dem Anspruch, die sozio-\u00f6konomischen Zusammenh\u00e4nge der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft wissenschaftlich erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Marx und Engels wollten ergr\u00fcnden, wie die kapitalistische Produktionsweise und die auf ihr basierende b\u00fcrgerliche Gesellschaft entstanden sind und wie sie funktionieren.<!--more--><\/p>\n<p>Dieser politisch-\u00f6konomische Anspruch wurde sp\u00e4ter zu einer Programmatik ausgebaut, die \u00fcber viele Jahrzehnte Gewerkschaften und sozialdemokratische Parteien rund um den Erdball pr\u00e4gte. Marx war selbst \u00fcber den \u00bbBund der Kommunisten\u00ab, die Erste Internationale oder beispielsweise seinen Kommentar zum Gothaer Programm der deutschen Sozialdemokratie politisch-organisatorisch aktiv. Die marxistische Theorie war einer jener Grundpfeiler, die den Organisationen der Arbeiterklasse im Industriezeitalter Erfolge in emanzipatorischen K\u00e4mpfen auf unterschiedlichen Ebenen einbrachten.<\/p>\n<p>Andererseits wurde der parteif\u00f6rmige Marxismus dogmatisiert und zur Legitimation von Parteiherrschaft missbraucht. Doch Marx war laut eigener Aussage kein Marxist. Der dogmatisierte Marxismus in Parteiform ist f\u00fcr DIE LINKE und ihre Vorg\u00e4ngerparteien seit 1990 Geschichte. Das Werk von Karl Marx und seine Person brauchen keinen Ismus, um einer modernen Linken Orientierung zu sein, im Gegenteil.<\/p>\n<p>Marx war ein philosophisch geschulter, denkender Polit\u00f6konom und Historiker. Er analysierte die Entstehung des Kapitalismus (bzw. der kapitalistischen Produktionsweise), untersuchte die Gr\u00fcnde f\u00fcr dessen Funktionieren sowie f\u00fcr seine Krisenhaftigkeit und kam zu dem Schluss, dass der Kapitalismus zwar einerseits ungeheure Umw\u00e4lzungen und Entwicklungen vollbringt, aber gerade dadurch bestimmte Widerspr\u00fcche versch\u00e4rft und damit zu seinem eigenen Niedergang beitr\u00e4gt. Marx und Engels begriffen im \u00bbKommunistischen Manifest\u00ab die Geschichte noch als \u00bbeine Geschichte von Klassenk\u00e4mpfen\u00ab. Einen detaillierten \u00bbFahrplan\u00ab in die sozialistische Zukunft mit konkreten Handlungsanweisungen konnten und wollten sie nicht vorlegen. Seit damals stellt sich f\u00fcr Linke die Frage, ob bzw. wie man durch Bewegungen und Parteien den Kapitalismus einhegen bzw. bek\u00e4mpfen kann.<\/p>\n<p>Vor einhundert Jahren ergriff in Russland eine Bewegung, die sich auf Marx berief, die Macht: Die Bolschewiki wollten den Marxismus in die Praxis umsetzen und \u00fcber den Weg einer \u00bbDiktatur des Proletariats\u00ab den Kommunismus verwirklichen. Ihre Ausgangsbedingungen waren ung\u00fcnstig und innere sowie \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse f\u00fchrten dazu, dass ein Gesellschaftstypus entstand, der sich mit marxistischer Terminologie zu legitimieren suchte und letztlich in der parteidiktatorischen Sackgasse endete. Die demokratischen Ziele des Sozialismus verkamen zum sogenannten demokratischen Zentralismus.<\/p>\n<p>Marx&#8217; Element war die Kritik. \u00bbAn allem ist zu zweifeln\u00ab, so lautete einer seiner bekanntesten Grunds\u00e4tze. Er w\u00fcrde wohl die Irrwege, Widerspr\u00fcche und Verbrechen des Stalinismus im Hinblick auf \u00f6konomische Bedingungen und Bedeutungen analysieren und Schl\u00fcsse daraus ziehen. Personalisierte Schuldzuweisungen oder moralisierende Verk\u00fcrzungen in Form von Kritik an individuellem Versagen w\u00e4ren in seinem Verst\u00e4ndnis zu kurzsichtig. Gleiches f\u00fcr den heutigen Kapitalismus in seiner vielgestaltigen Auspr\u00e4gung. Auch dieser ist zu analysieren und im Hinblick auf seine Lebens- und \u00dcberlebensf\u00e4higkeit zu untersuchen. Auch hier w\u00fcrde Marx keinen moralischen Zeigefinger heben. Eine Linke, die heute den internationalen (Finanzmarkt-) Kapitalismus kritisiert, den Fokus dabei jedoch auf die Vorst\u00e4nde und nicht auf die systemimmanenten Zusammenh\u00e4nge legt, w\u00e4re sicher nicht in seinem Sinne. Denn die Zuordnung von Schuld f\u00fcr Krisen auf einzelne Personen lenkt letztlich vom Gesamtzusammenhang ab.<\/p>\n<p>Die Linke tut gut daran, Marx zu lesen, seine Erkenntnisse \u00fcber das Funktionieren des Kapitalismus zu nutzen und die Widerspr\u00fcche und Leerstellen in seinem Werk aufzugreifen und zu besetzen. An ihm ist vieles unabgegolten und manches historisch \u00fcberholt; dies allerdings auch\u00a0<em>weil<\/em> die Arbeiterbewegung mit Marx erfolgreich f\u00fcr Ver\u00e4nderungen gek\u00e4mpft hat &#8211; Wahlrecht, Achtstundentag u.v.m.<\/p>\n<p>Seit Erscheinen des \u00bbKapitals\u00ab, des wirkungsm\u00e4chtigsten Werkes von Marx, vor 150 Jahren sind neue Probleme aufgetaucht, die zur Zeit von Marx noch nicht absehbar waren. Heute darf nicht mehr nur die Emanzipation der Arbeiterklasse im Zentrum linker Bestrebungen stehen, es muss um die allgemeine, menschliche Emanzipation gehen, wie sie schon dem jungen Marx vorschwebte. Auch andere Gegenwartsprobleme hat Marx vorweggenommen, so z.B. die \u00f6kologische Frage: Die Ausbeutung von menschlicher Arbeitskraft <em>und<\/em> Natur schafft den gesellschaftlichen Reichtum. Die Zerst\u00f6rung der Natur jedoch findet heutzutage in einem so dramatischen Ausma\u00df statt, dass die Frage steht, ob zuerst der Kapitalismus oder der Planet an seine finalen Grenzen st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>Marx&#8217; Methode, dialektisch und materialistisch zu denken und die Gesellschaft zu analysieren, ist keineswegs \u00fcberholt. Sein Werk zeugt von gro\u00dfer Weitsicht und analytischer Brillanz. Marx ist und bleibt aktuell.<\/p>\n<p><em>Diese Erkl\u00e4rung wurde von Dr. Alexander Amberger entworfen und am 12. Dezember 2017 vom Sprecherrat der Historischen Kommission beschlossen.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Text wurde unver\u00e4ndert aus der Website der Linken im Bund \u00fcbernommen, da er alles in G\u00e4nze abbildet und dem soweit nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen ist.<\/em><\/p>\n<p>von Simon P. Brecht, Kreissprecher der Linksjugend [solid] Schw\u00e4bisch Hall und Hohenlohe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erkl\u00e4rung der Historischen Kommission der Partei DIE LINKE zum 200. Geburtstag von Karl Marx Vor 200 Jahren, am 5. Mai 1818, wurde Karl Marx geboren. 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