„Sei keine Flasche!“-Darum Leitungswasser:

Vor 50 Jahren trank jeder Deutsche davon jährlich 12 Liter. 2015 waren es 143 Liter pro Kopf. Rund 500 Sorten werden hier angeboten. Allein in Deutschland wurden 11.1 Milliarden Liter abgefüllt. 75% davon in Plastikflaschen. Die Rede ist von Mineralwasser. Flaschenwasser boomt seit Jahren in Deutschland, dabei ist Leitungswasser deutlich preiswerter. Für einen Liter Mineralwasser zahlt man durchschnittlich zwischen 18 und 50 Cent, ein Liter Leitungswasser kostet 0.2 Cent. Für einen Euro bekommt man also 500 Liter Leitungswasser oder zwei bis fünf Liter Mineralwasser. Trotzdem hat Leitungswasser bei uns keinen guten Ruf.

Einige Konsumenten befürchten gefährliche Rückstände von Antibiotika und anderen Medikamenten im Leitungswasser und entscheiden sich daher eher für Wasser aus der Flasche. Unsere Lebensweise hinterlässt natürlich Spuren im Boden und den Gewässern. Diese anthropogene Beeinflussung hat aber lediglich minimale Rückstände im Trinkwasser zur Folge. Diese sind nicht gesundheitsgefährdend für den Menschen. Unser Leitungswasser zählt zu den besten der Welt und die deutsche Trinkwasserverordnung ist strenger als die für Mineralwasser. Verbraucher sollten lediglich darauf achten, dass der Sieb des Wasserhahns regelmäßig zu reinigen ist und Wasser nicht zu lange offen in warmen Räumen stehen gelassen wird, um Keimbildungen zu vermeiden. Wasser das lange in der Leitung stand, sollte nicht getrunken werden. Deshalb sollte man z. B. nach dem Urlaub oder langer Abwesenheit, das Wasser ein paar Minuten laufen lassen.

Der Aspekt der Gesundheit scheint auf den ersten Blick für Mineralwasser zu sprechen. Doch auch das trifft in den meisten Fällen nicht zu. Mineralwasser hat nicht zwingend mehr Mineralien als Leitungswasser. In der Tabelle sind Mengenangaben einiger Mineralien aufgelistet. Verglichen wird das Leitungswasser aus der Rottenburger Kernstadt mit den Mineralwassern „Volvic“ und „evian“. Außerdem spielt Mineralwasser eine nebensächliche Rolle für die Gesundheit der meisten Menschen. Mineralien werden hauptsächlich über Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Kochsalz, Vollkorn- und Milchprodukte aufgenommen. Zum Vergleich: Der Mineralwasserhersteller und Vertreiber „Gerolsteiner“ wirbt mit einem Calciumgehalt von 348 mg/l in seinem Sprudel, eine Scheibe Emmentaler enthält ungefähr 300 mg Calcium, ebenso 1/4 Liter Milch. Selbst mineralarmes Leitungswasser stellt keine Gefährdung der Gesundheit dar. Mineralwasser ist für die Gesundheit des Menschen nicht erforderlich. Lediglich bei Wasser für Säuglinge muss der Mineralgehalt zwischen bestimmten Grenzwerten liegen, die im Internet zu finden sind.

Mineraliengehalt Wasser im Vergleich

Ein großes Plus für Leitungswasser ist dessen unschlagbare Öko-Bilanz. 75% des Flaschenwassers wird in Plastik verkauft. 47% davon sind Einwegflaschen. Stündlich werden in Deutschland 2 000 000 Einwegflaschen verbraucht. Einwegplastikflaschen schaden der Umwelt am meisten, denn sie benötigen für ihre Herstellung deutlich mehr Energie und Rohstoffe als das Reinigen und Wiederbefüllen der Mehrwegflaschen. Plastikmehrwegflaschen werden ca. 30 mal wiederbefüllt, Glasmehrweg bis zu 50 mal. Glas hat die beste Öko-Bilanz, solange die Transportstrecke vom Brunnenbetrieb zum Verkaufsort unter 200 Kilometern liegt. Bei längeren Strecken sollte man das Wasser in Mehrwegplastikflaschen transportieren. Diese sind leichter und sparen Sprit. Am sinnvollsten sind Leihflaschen, sie sind am Schriftzug zu erkennen. Das Prinzip dieser Leihflaschen: Brunnen A füllt die Flasche ab, sie wird in der Stadt B verkauft. Dort sitzt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein anderer Abfüllbrunnen, der diese Flaschensorte ebenfalls verwendet. Zu diesem Abfüllbrunnen wird diese Leihflasche gebracht. Sie muss also nicht zurück transportiert werden, sondern geht immer auf dem kürzesten Transportweg zum nächsten Abfüller. Als Verbraucher sollte man darauf achten: wenn Flaschenwasser, dann von einem nahegelegenen Hersteller. Das spart Sprit und ist daher besser für die Umwelt. Welche Abfüllbrunnen am nächsten sind, kann man ganz einfach beim Brunnenfinder der Informationszentrale deutsches Mineralwasser herausfinden (Hier geht es direkt zum Brunnenfinder: http://www.mineralwasser.com/themen/naturprodukt-mineralwasser/naturprodukt/article/mineralbrunnenland-deutschland.html). Mit jedem Liter Wasser, den sie aus Glasmehrweg- anstatt aus Plastikeinwegflaschen trinken, sparen sie 55 Gramm CO2 ein. Wenn man annimmt, alle Getränke in Deutschland würden in Mehrweg- anstatt in Einwegflaschen konsumiert werden, könnten 1,25 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Das entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß von 575 000 PKW, die jährlich 15 000 Kilometer fahren.

Leitungswasser schont den Geldbeutel und ist nicht gesundheitsschädlich für uns. Mineralreiches Wasser ist nicht wichtig für unseren Körper und die Herstellung von Flaschen und deren Transport belastet die Umwelt enorm. Wer trotzdem nicht auf Flaschenwasser verzichten will, sollte Wasser in Glasmehrwegflaschen von einem nahegelegenen Abfüller kaufen.

 

 

Wenn du noch mehr über das Thema Trinkwasser und Wasser als global umkämpften Rohstoff erfahren willst, würden wir uns freuen, wenn du unsere Veranstaltungen zum Thema Wasser besuchst. Am 23.1.2017 wird um 18:00 Uhr der Film „Bottled Life – Nestlés Geschäfte mit dem Wasser“ im Kino Waldhorn gezeigt, der Eintritt beträgt 4 Euro. Am 9. Februar um 20 Uhr gibt es im Haus der Arbeiterwohlfahrt (St.-Moriz-Platz 7) eine Informationsveranstaltung mit Vorträgen von der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei Heike Hänsel und der Non-Profit-Organisation Viva con agua und einigen interaktiven Infoständen. Zudem gibt es an einem späteren Termin noch eine Führung durch das Rottenburger Wasserwerk. Der genaue Termin wird bei den beiden vorhergehenden Veranstaltungen veröffentlicht.

 

Von Jona

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