Jede halbe Stunde, jedes Dorf!

Für einen attraktiven Nahverkehr müssen Bus und Bahn besser getaktet werden!

„Würdest du mehr mit dem Bus oder der Bahn fahren, wenn die Tickets billiger wären?“ – Auf diese Frage hört man oft die selbe Antwort: Für viele sind geringere Ticketpreise zwar eine Voraussetzung, um den ÖPNV in Betracht zu ziehen, um aber regelmäßig mit dem ÖPNV auch zur Arbeit zu fahren oder ihn in der Freizeit zu benutzen, reicht das vielen nicht aus.
Hierfür bräuchte es eine bessere Taktung. Die Züge auf den meisten Strecken im Ortenaukreis fahren stündlich oder seltener. Bei den Bussen ist es häufig ein noch größerer Abstand.

Wenn man bei dieser Taktung zur Schule oder zur Arbeit, zum Arzt oder zu Freund*innen fahren möchte, bedeutet das unter Umständen sehr lange Wartezeiten. In einer Welt, in der Pünktlichkeit eine große Rolle spielt und Verspätungen um wenige Minuten bei der Arbeit oder der Schule nicht geduldet werden, müssen die Menschen diese Wartezeiten auf sich nehmen und mit etwas Pech dann auch wohl oder übel jeden Tag Stunde um Stunde am Bahnsteig verbringen. Bei Umsteigen von einer Linie auf die Nächste fallen häufig zusätzlich große Umstiegszeiten an, die erneut den Menschen ihre Zeit rauben.

Und das alles im normalen Betrieb. Möchte man nachts oder früh morgens einen anderen Ort erreichen, ist es oft völlig unmöglich, da überhaupt keine Züge oder Busse fahren. Mancherorts beginnt diese “Nachtruhe” schon um 20:00 Uhr. Wer hier kein eigenes Auto hat, noch zu jung ist oder nicht genug Geld für ein Auto für alle in der Familie hat, ist von der Außenwelt abgeschnitten. Eine zusätzliche Belastung ist das für Eltern auf dem Land, da diese häufig nach Feierabend und am Wochenende für viele Aktivitäten ihrer Kinder, die außerhalb des eigenen Dorfes liegen, den Fahrdienst spielen müssen und ihnen auf diese Weise jede Menge Zeit gestohlen wird. Und ja, die Formulierung “[von der] Außenwelt abgeschnitten [zu sein]” mag jetzt für manche dramatisch oder befremdlich klingen, aber genau das ist der Fall. Wenn Dörfer nur von einer Hand voll Bussen am Tag angefahren werden, wenn 2 Stunden nach dem Feierabend der ÖPNV endet, wenn man bei der Jobsuche auf Stellen entlang der eigenen Linie begrenzt ist, weil ein pünktliches Erreichen des Arbeitsplatzes durch einen Umstieg zu einem Ding der Unmöglichkeit wird, dann ist das genau das. Da sind die Menschen abgeschnitten von der Außenwelt.
Das klingt nach einem furchtbaren Zustand und dieser ist Realität. Die Wut, die Empörung über das, was diese Worte ausdrücken, ist berechtigt und sie müssen sich gegen das richten, was diese Worte beschreiben.

Wir fordern deshalb:
– Anschlüsse mit Zug oder Bus in jedes Dorf von 06:00 Uhr bis 20:00 Uhr im halbstündigen Takt
– Mindestens stündliches anfahren von 20:00 Uhr bis 00:00 Uhr

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